James-Simon-Galerie, Berlin (David Chipperfield Architects)

DAM Preis Finalist für Architektur in Deutschland 2020
  
Foto Credit: Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects

JUNG im Interview mit Alexander Schwarz, Partner und Design Director bei David Chipperfield Architects Berlin, über den Bau der James-Simon-Galerie, seinen Heraus- und Anforderungen sowie über die Ansätze und Gedanken des Architekturbüros hinsichtlich gelungener Architektur und den Funktionen, die ein solches Gebäude wie die James-Simon-Galerie zu erfüllen hat.

Wie würden Sie die Planung und Realisierung der James-Simon-Galerie in zwei, drei Sätzen zusammenfassen?

Es hat eine Weile gedauert herauszufinden, was und wie die James-Simon-Galerie sein will. Gut Ding will halt Weile haben.


Was waren die „Pains and Gains“, wie man im Marketing so schön sagt, dieses Projektes?

„Painful“ waren sicher die Gründungsmaßnahmen und die Zeit, die wir dafür verloren haben. Viel gewonnen war, als man das Gebäude erstmals räumlich im Stadtraum wahr-nehmen konnte.


Wie nähern Sie sich einem Bauauftrag? Gibt es ein „gängiges“ Vorgehen bei David Chipperfield Architects oder lassen Sie eher jedes Projekt zunächst auf sich wirken und nehmen die Gegebenheiten, um jedes Mal „neu zu denken“?

Wir versuchen bei jedem Projekt gleich am Anfang herauszufinden, worum es eigentlich geht. Welche Fragen die Architektur beantworten sollte und welche nicht. Diese Fragestellungen führen dann meistens zu neuem Denken.


Gab es einen Moment in dem Bauprozess, den Sie als „Knackpunkt“ bezeichnen würden? Welcher Moment war das?

Ein Knackpunkt oder ein Wendepunkt im Entwurfsprozess war die erste Entwurfsskizze 2007, die das Gebäude ziemlich nah am heute realisierten Zustand zeigt. Das war ein Moment, ein Einfall, auf einer Zugfahrt.


Würden Sie dieses Bauprojekt als typisch für David Chipperfield Architects bezeichnen? Warum ja / nein?

Es gibt Themen, mit denen wir uns bei der James-Simon-Galerie beschäftigt haben, die uns generell sehr interessieren, angefangen bei der Formulierung des öffentlichen Raums, dem Dialog mit dem Bestand bis hin zur Materialität des weitgehend rohbausichtigen Gebäudes.


Die James-Simon-Galerie ist das neue Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel – damit der zentrale Ort, an dem die Besucher ankommen und mit ihrer „Kulturreise“ starten. Welche Funktionen muss ein solches Gebäude erfüllen?

Es gleicht zunächst die infrastrukturellen Defizite der Bestandshäuser aus, die so als historische Häuser weiter funktionieren können. Darüber hinaus gibt es übergeordnete Funktionen, beispielsweise die Wechselausstellungen oder das Auditorium, welche der Museumsinsel neue Aktivitäten und Sichtbarkeiten in der Stadt ermöglichen. Außer diesen infrastrukturellen Funktionen ist die Hauptfunktion des Gebäudes aber, den öffentlichen Raum der Stadt auf der Museumsinsel zu erweitern und zu feiern.


Die von Ihnen gewählte Architektursprache bedient sich vorgefundener Elemente wie gebauter Topografie, Kolonnade und Freitreppe. So führt beispielsweise ein hoher Sockel die Architektur des benachbarten Pergamonmuseums fort. Darüber erhebt sich ein transparenter, durch filigrane Stabreihung und Glas definierter Baukörper. Wie groß war der Spagat, historische Elemente in eine zeitgenössische Architektur zu übertragen bzw. beides miteinander zu verbinden?

Es ging uns um eine Moderne, die ihre Rhetorik nicht aus dem Gegensatz zu dem, was schon ist, entwickelt. Die Verwendung bereits bestehender Architekturmotive auf der Insel, insbesondere der Freiraumarchitektur, ist keineswegs als Zitat gemeint, sondern als Aneignung, das heißt die Elemente sind in der neuen Architektur für sich vollkommen verständlich und nicht nur im Hinblick auf den Verweis in die Vergangenheit.


Welche Bedeutung hat es für Sie, dass Ihr Projekt zu den fünf Finalisten des DAM Preises 2020 zählt?

Wir freuen uns darüber, insbesondere deshalb, weil das Gebäude nicht so leicht zu prämieren ist, da es vorwiegend genuin architektonische Fragen aufwirft und dringende und relevante Fragen des Bauens jenseits der Architektur vordergründig nicht thematisiert.


Gelungene Architektur ist für Sie gekennzeichnet von … ?

…Stimmigkeit und Resonanz im Körper.


Gibt es eine Gebäudeart bzw. eine Bauweise, die Sie gerne einmal realisieren würden? Und eine, die für Sie die „größte Herausforderung“ darstellt?

Gerne würden wir eine Oper bauen, ein Stadion, eine Schule, ein Krankenhaus. Die größte Herausforderung ist vermutlich, in einem kulturellen Umfeld zu planen und zu bauen, das sich nicht mit dem eigenen überschneidet.

James-Simon-Galerie, Berlin