Stylepark Neubau am Peterskirchhof, Frankfurt a. M.

NKBAK Nicole Kerstin Berganski Andreas Krawczyk 

Foto Credit: Thomas Meyer

JUNG im Interview mit Nicole Kerstin Berganski und Andreas Krawczyk von NKBAK über den Neubau des Stylepark Büro- und Wohnhauses, seinen Heraus- und Anforderungen sowie über die Ansätze und Gedanken des Architekturbüros hinsichtlich gelungener Architektur und dessen Beitrag zu einer lebens-werten Baukultur.

Wie würden Sie die Planung und Realisierung des Stylepark Neubaus in zwei, drei Sätzen zusammen-fassen?

Uns bot sich durch diese außergewöhnliche Bauaufgabe die Möglichkeit, uns mit dem Thema „Weiterbauen“ auseinanderzusetzen. Das Vorgefundene umfasste dabei nicht nur eine denkmal-geschützte Friedhofsmauer, sondern auch Steinschichten aus den Nachkriegsjahren. Unser Ziel war es, ein schlüssiges Gesamtkonzept unter Erhalt der verschiedenen Zeitschichten zu erarbeiten.


Was waren die „Pains and Gains“, wie man im Marketing so schön sagt, dieses Projektes?

In der Architektur kennen wir keine „Pains and Gains“, sondern ausschließlich „Tasks“. Die Dichte durch die gefasste Hinterhofbebauung und die Anbindung an das Vorderhaus bewirkte Abhängigkeiten und einen engen Rahmen zur Erarbeitung des Bauvolumens. Die Versprünge und Höhenstaffelungen sind Ergebnis eines Einfügens in die Bestandsstruktur bei gleichzeitiger Wahrung einer eigenständigen Entwurfsidee mit verschiedenen Raumbezügen zwischen den Ebenen.


Wie nähern Sie sich einem Bauauftrag? Gibt es ein „gängiges“ Vorgehen bei NKBAK oder lassen Sie eher jedes Projekt zunächst auf sich wirken und nehmen die Gegebenheiten, um jedes Mal „neu zu denken“?

Wir haben kein dogmatisches Vorgehen oder einen bestimmten Stil, der umgesetzt werden muss. Wir beginnen bei jeder Bauaufgabe, die sich uns stellt, neu und frei zu denken.


Gab es einen Moment in dem Bauprozess, den Sie als „Knackpunkt“ bezeichnen würden? Welcher Moment war das?

Es war ein breites Recherchieren und Ausprobieren erforderlich, um die Steine und deren Farbe für die Fassade auszuwählen und die Ausführung durch die Verwendung verschiedener Steinformate zu entscheiden.


Würden Sie dieses Bauprojekt als typisch für NKBAK bezeichnen? Warum ja / nein?

Wir bauen mit Holz, Klinker und Glas etc. Wir bauen Schulen, Wohn- und Geschäftshäuser, Wochen-endhäuser und planen Ausstellungsarchitekturen etc. Wir bauen für die öffentliche Hand unter engen Terminplänen und nehmen uns die Zeit für die Planung einer außergewöhnlichen Lösung für einen privaten Bauherrn. Typisch für uns ist, gerade nicht typisch zu sein.


Das Besondere an dieser Bauaufgabe war – entgegen üblicher Hinterhofsituationen – die Sichtbarkeit des neu entstandenen Wohn- und Geschäftshauses vom angrenzenden Peterskirchhof aus. Ihr Konzeptgedanke war nicht eine Abgrenzung, sondern das Weiterbauen und die Akzentuierung der umgrenzenden, denkmalgeschützten Friedhofsmauer. Was hat Sie dazu bewogen?

Uns interessiert das Weiterdenken von Bestand und Vorgefundenem, ohne die aktuellen Bezüge zu vernachlässigen. Wichtig ist, eine heutige Architekturauffassung dem Vorhandenen gegenüber-zustellen, so dass beide – das Vorgefundene und das Neue – davon profitieren.


Der Stylepark Neubau ist ein zeitgemäßes Ensemble modernen Arbeitens und urbanen Wohnens. Zwei großzügige offene Arbeitsbereiche mit Rückzugsräumen sowie ein zentraler Coffeepoint kennzeichnen die neuen Büroräume des Unternehmens Stylepark. Im 1. und 2. Obergeschoss befinden sich eine 2-Zimmer-Wohnung mit 44 Quadratmetern Fläche sowie eine 1-Zimmer-Wohnung mit 60 Quadratmetern Fläche. Wie wichtig ist es Ihnen, mit Ihren Projekten einen Beitrag zu einer Baukultur zu leisten, die eine lebenswerte Umwelt schaffen?

Ist das nicht die grundsätzliche Aufgabe von Architektur?! Die Schaffung einer lebenswerten Umwelt sehen wir als Selbstverständlichkeit. Die Frage der Baukultur wird dann aus dieser Selbstverständlichkeit auf anderer Ebene diskutiert.


Welche Bedeutung hat es für Sie, dass Ihr Projekt zu den fünf Finalisten des DAM Preises 2020 zählt?

Die Würdigung des Projektes und die damit einhergehende Anerkennung des Beitrags des Bauherrn und unserer Entwurfs- und Ausführungsarbeit haben uns sehr gefreut. Nachverdichtung – auch in kleinem Rahmen – sind in den heutigen Städten wichtige Bauaufgaben. Die Auszeichnung dessen ist ein bestärkendes und erfreuliches Ergebnis.


Gelungene Architektur ist für Sie gekennzeichnet von … ?


… Überraschungen durch Bezüge jeglicher Art. Dazu zählen unter anderem Blickbeziehungen von innen nach außen, verspringende Raumhöhen und daraus resultierende Raumbezüge im Gebäudeschnitt und helle Belichtungssituationen teils ergänzt um verschiedenartige Lichtführungen. Die Bezüge und deren Umfang variieren je nach Nutzung und Umgebung des jeweiligen Entwurfs.


Gibt es eine Gebäudeart bzw. eine Bauweise, die Sie gerne einmal realisieren würden? Und eine, die für Sie die „größte Herausforderung“ darstellt?

Uns ist es wichtig, in unterschiedlichen Aufgabenfeldern zu arbeiten und nicht auf einen Bautyp, wie Schule, Kindergarten oder Einfamilienhaus festgelegt zu werden. Daher freuen wir uns, immer wieder verschiedene Bauaufgaben realisieren zu dürfen.
Die größte Herausforderung ist jedes Mal von neuem, in einer immer komplexeren Gemengelage zusammen mit Bauherren, Nutzern, Fachplanern und ausführenden Firmen die Grundlagen und Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Stylepark Neubau am Peterskirchhof, Frankfurt am Main