Wohnensemble „einfach gebaut“, Berlin

orange architekten | Peter Tschada und Anna Weber

Foto Credit: Jasmin Schuller

JUNG im Interview mit Anna Weber und Peter Tschada von orange architekten über das Projekt „einfach gebaut“, die damit verbundenen Heraus- und Anforderungen sowie über die Ansätze und Gedanken des Architekturbüros hinsichtlich gelungener Architektur und dessen Beitrag zu einer lebenswerten Baukultur.

Wie würden Sie die Planung und Realisierung Ihres Wohnensembles „einfach gebaut“ in zwei, drei Sätzen zusammenfassen?

Unser Planungsgrundsatz war hier, mit einem einfachen Gebäuderaster eine flexible Raumstruktur zu schaffen, welche auch nach Jahrzehnten simpel umgenutzt werden kann. Die gegenwärtigen Bautechnologien zu vereinfachen, eine Fassade, entwickelt als Alternative zum WDVS, zu erproben, Bauen mit sortenreinen Konstruktionen ohne dauerhaften Materialverbund, rezyklierbare und damit flexible, auch für die Zukunft wandelbare Räume zu bauen – diese Punkte prägen unser Projekt „einfach gebaut“.


Was waren die „Pains and Gains“, wie man im Marketing so schön sagt, dieses Projektes?

Das Haus steht so wie gedacht.


Gibt es ein „gängiges“ Vorgehen bei orange architekten oder lassen Sie eher jedes Projekt zunächst auf sich wirken und nehmen die Gegebenheiten, um jedes Mal „neu zu denken“?

Wir haben bei jedem Projekt den Anspruch für die jeweilige Aufgabenstellung die spezifisch beste Lösung zu erarbeiten und mit einfachen, konstruktiven Mitteln und zeitgemäßen Bautechnologien kostengünstig umzusetzen.


Gab es einen Moment in dem Bauprozess, den Sie als „Knackpunkt“ bezeichnen würden? Welcher Moment war das?

Ja, der Moment, in dem wir die Notarverträge für 85% der Eigentumswohnungen innerhalb einer Woche beurkunden mussten, um die Projektfinanzierung zu sichern.


Würden Sie dieses Bauprojekt als typisch für orange architekten bezeichnen? Warum ja / nein?

Für uns ist jedes Projekt komplett neu und spannend.


Das Grundstück, das Sie letztendlich selbst gekauft und „einfach“ mit dem Wohnensemble bebaut haben, galt als unbebaubar. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wir haben uns dafür entschieden, das Grundstück zu kaufen und das Gebäude als Bauträger selbst zu errichten, damit wir exakt so bauen können, wie wir denken, wie man heutzutage nur noch vernünftig bauen kann.

Es ging uns darum, die derzeit gängigen Baumethoden hinterfragen zu können, um neue Bautechnologien zu erproben und ein vernünftiges, einfaches Bauwerk zu realisieren.

Durch die Aufständerung der Baukörper konnten Sie die Fußwege als auch die Durchlüftung des Quartiers bewahren. Ebenso blieben die meisten Bäume erhalten, da Sie das gesamte Gebäude sorgsam zwischen den Wurzelbereichen positioniert haben. Wie wichtig ist es Ihnen, dass sich Ihre Projekte behutsam in ihre Umgebung einbetten?

Sie haben diese Frage ja schon selbst beantwortet: sehr wichtig! Und damit das Stadtklima gut bleibt, sollte jeder Baum erhalten werden.


Welche Bedeutung hat es für Sie, dass Ihr Projekt zu den fünf Finalisten des DAM Preises 2020 zählt?

Das freut uns natürlich schon sehr!


Gelungene Architektur ist für Sie gekennzeichnet von … ?

... davon, dass sie selbstverständlich da ist. Wirkt, wie sie ist. Und dass sie auch noch nach Jahren funktioniert.


Gibt es eine Gebäudeart bzw. eine Bauweise, die Sie gerne einmal realisieren würden? Und eine, die für Sie die „größte Herausforderung“ darstellt?

Die nächste.

Wohnensemble „einfach gebaut“, Berlin